Reisebericht Berlin: Fünf Tage volles Programm

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Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: Das Stasi-Gefängnis

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen – Die Zellen

Im Gefängnis des Ministeriums der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen war ich nicht im Februar, sondern bei einem zweiten Besuch Ende März, thematisch passt es aber hier bestens hinein. Das Gebäude hat eine enorm düstere Geschichte, die viele Jahre vor der DDR-Zeit beginnt. Nach der Kapitulation Berlins wurde das Gebäude, das in der NS-Zeit eine Großküche beheimatete, als Geheimgefängnis der sowjetischen Geheimpolizei genutzt. Ab 1951 übernahm es das Ministerium für Staatssicherheit, auf den Landkarten blieb ein weißer Fleck, und kaum jemand wusste, was genau sich hinter den hohen Mauern verbarg.

Hier inhaftierte das MfS mehr als zehntausend Bürger, denen man staatsfeindliches oder -zersetzendes Verhalten oder mangelnde politische Linientreue vorwarf, bei Fluchtversuchen gefasste oder Kritiker des SED-Regimes. Losgelöst von allen gesetzlichen Zwängen offenbarte sich hier das hässliche Gesicht der Diktatur, wie man es auch heute noch an vielen anderen Stellen der Welt vorfindet.

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen – Der Verhörraum

Es war vielleicht nicht die schlauste Idee, ausgerechnet den Ostersonntag zur Mittagszeit für den Besuch zu wählen, offenkundig hatten viele andere Menschen denselben Einfall. Ich war baff erstaunt über die Menschenmassen, doch die jede Stunde stattfindenden Führungen sind bestens organisiert, und die Gruppe wird in handhabbare Größen aufgeteilt.

In der ersten knapp halben Stunde gibt es einen Film über die Geschichte der Einrichtung zu sehen, die einem einen guten ersten Eindruck vermittelt, um die Führung besser einordnen zu können. Dann übernehmen Historiker oder Zeitzeugen, ich hatte das Glück, mit einer ungemein interessanten Persönlichkeit das Gebäude durchlaufen zu können.

Über die Lebensgeschichte von Henry Leuschner informiert ein bei Ankerherz und CORRECT!V erschienener Artikel, wobei ich mir sicher bin, dass es da noch sehr viel mehr zu erzählen gäbe, was bei der Führung nur angedeutet wurde. Wir wurden im Vorfeld vorgewarnt, dass man auf jeden Fall perfekte Deutschkenntnisse mitbringen sollte (oder eine andere Gruppe wählen), was hilfreich war, denn selbst ich hatte manchmal Schwierigkeiten, dem enormen Erzähltempo und den verwinkelten Gedankensprüngen zu folgen. Es ergaben sich aber so die Puzzlesteine eines faszinierenden Lebens voller Brüche und Tiefpunkten eines echten Freigeistes und Weltbürgers, die fast zwei Stunden mit ihm vergingen wie im Fluge.

Es war so alles andere als eine normale Führung, aber wenn man verstehen will, wie weit der lange Arm der Stasi reichte und wie sie das Leben der Menschen, ihren Familien und des gesamten Umfelds zu kontrollieren versuchte, dienen solche persönlichen Erinnerungen oftmals besser dem Verständnis als schnöde historische Fakten. Bald will Henry Leuschner ein Buch veröffentlichen, da bin ich schon sehr gespannt!

Genslerstraße 66, geöffnet bis auf Weihnachten und Silvester/Neujahr täglich, Führungen im Sommer stündlich
www.stiftung-hsh.de

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One Comment

  1. Treverer / Februar 21, 2018 at 21:09 /Antworten

    Vielen Dank für die vielen Hinweise, Errol. Ich sehe schon, ich muss bald wieder nach Berlin!

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