Die Bierstuben - hier pulsiert die fränkische Lebensart
Kaum eine deutsche Region hat eine derartig intensiv gelebte Biertradition und Brauereiendichte wie das Frankenland. Und ich bin ja ganz ehrlich: für meine Geburtstagsreise habe ich mich besonders auf die zahlreichen Braustuben gefreut. Und ich wurde diesbezüglich nicht enttäuscht. Wobei die Biermoderne auch vor dem Frankenland nicht haltmacht, denn mein erstes Bier in der Stadt gönnte ich mir in einer modernen Craft Bier Bar.
Böheim hat mittlerweile zwei schmucke Wirtschaften in der Altstadt, und sowohl in der Böheim Bar wie auch in der Böheim Bierhalle, nach eigenen Angaben eine „Schankwirtschaft 2.0“, kann man die leckeren hauseigenen Biere probieren. Ohne Tradition geht es hier aber auch nicht, denn 2016 wurde die alteingesessene, 1923 gegründete Brauer-Vereinigung Pegnitz wiederbelebt, und neben einem klassischen Hellen auch „moderne“ Sorten wie ein IPA gebraut. Ein Hahn ist immer für ein wechselndes fränkisches Bier reserviert, in meinem Fall ein sehr schönes Stout von Mr. Kennedy aus Nürnberg.
Das volle fränkische Programm gab es im Landbierparadies in der Wodanstraße. Eine ganze Batterie fränkischer Landbiere gab es aus Flasche und aus dem Holzfass zu probieren, gereicht im standesgemäßen Steinkrug. Die Halbe für unter drei Euro, paradiesische Preise, wenn man an das meist völlig überteuerte Trier denkt. Dazu eine riesige Brotzeitplatte mit regionalen Spezialitäten für ’nen Appel und ein Ei, sensationell. Wobei ich mir die Speisekarte von einem Wahlfranken übersetzen lassen musste…
Am nächsten Tag erwartete ich Freunde aus Augsburg, und es war von Anfang an klar, dass uns der erste Weg ins Schanzenbräu führen wird. Ein Laden, den man erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Von der Einrichtung über die Gäste und Bedienungen bis zu Speis und Trank folgt alles einem etwas rumpeligen Charme. Ein Ort zum Wohlfühlen. Am Wochenende öffnet man bereits am Vormittag, und so konnten wir den Tag bei einem Weißwurstfrühstück, Kartoffelsuppe wie bei Muttern und dem sehr guten Rotbier starten. Davon gab es auch noch was zum Mitnehmen.
Weiter ging es zur Hausbrauerei Altstadthof, von wo man auch die berühmten Felsenkeller besichtigen kann. Uns stand aber der Sinn nach Bier, daher bestellte ich kurzerhand das Probierbrett mit einem Hellen, einem Rot- und Schwarzbier sowie einem roten Weizen. Dazu gab es noch einen leckeren hauseigenen Brand, der durchaus Lust auf mehr machte. So blieb es auch nicht bei einem, und ein Maibockbrand sowie ein Malzlikör fanden sogar noch den Weg ins schöne Trier. Aufgesogen wurde das ganze von „Vier im Bier“, in Biersud gegarten Nürnberger Würstchen. Lecker!
Neben den Braustuben gibt es im übrigen in der historischen Mauthalle einen exquisit sortieren Bierladen und somit konnte ich mich im Bierkontor noch mit einem Nachtschoppen fürs Hostel eindecken. Wäre allerdings gar nicht so nötig gewesen, denn an der Bar gab es leckeres Zirndorfer Kellerbier vom Fass, was will man mehr. Dennoch hat man nach all den Bieren das Gefühl, lediglich an der Oberfläche der fränkischen Bierkultur gekratzt zu haben. Eine Bierreise aufs Land steht nicht erst jetzt ganz oben auf meiner Wishlist. Und ich war auch noch nie in Bamberg…








