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Es ist schon ein sehr besonderes Gefühl, auf einem der aktivsten Vulkane der Welt zu stehen. Der Ätna thront majestätisch und im Mai noch schneebedeckt im Nordosten Siziliens. Touristisch gut erschlossen, kann man mit erfahrenen Führern den hellwachen Riesen besichtigen und sich einen Eindruck von seiner unfassbaren Zerstörungskraft machen.

 

Der Weg an die Spitze

Von Acitrezza aus ist es nur etwa eine Stunde Fahrtzeit bis zur Talstation des Ätna (oder Etna). Die Serpentinen schlängeln sich die zunächst noch sanften Hügel hinauf und es gibt viele wirklich hübsche Ortschaften mit beeindruckenden Villen zu sehen.

Eremo di Sant'Anna

Eremo di Sant’Anna

Um die Aussicht auf die Riviera dei Ciclopi zu genießen, stoppten wir kurz an der 1751 gegründeten Eremo di Sant’Anna in Aci San Filippo, von wo sich ein wundervoller Blick in die Ferne offenbart. Die zunächst noch üppige Vegetation wurde schließlich immer karger, bis man hinter Nicolosi das eigentliche Vulkangebiet erreicht, das zunehmend einer schwarzen Mondlandschaft gleicht. Immer wieder gibt die Straße den Blick auf die weite Landschaft unterhalb frei, wo wir glücklicherweise besten Blick bis zur Küste hatten. Hier hat man auch die Möglichkeit, an Aussichtspunkten einmal das Auto zu verlassen, was ansonsten auf Sizilien vor allem im Vergleich zu Teneriffa Seltenheitswert hat.

Eine Frage des Geldes…

Ausgangspunkt für den Besuch auf dem Vulkan ist der Rifugio Sapienza in etwa 1.900 Metern Höhe, von wo auch eine Seilbahn Funivio dell‘ Etna die Besucher bis auf etwas mehr als 2.500 Meter Höhe bringt. Parken ist am Rifugio kein Problem und auch die Preise sind vergleichsweise moderat. Für vier Stunden wurden 3,50 Euro fällig. Für die Erkundung des Ätna stehen dem Besucher nun verschiedene Möglichkeiten offen. So kann er direkt vom Parkplatz aus den Aufstieg wagen oder nur ein wenig entlang den in der Umgebung liegenden Kratern wandern. Die Seilbahn selbst kostet etwa 30 Euro, von der oben gelegenen Station kann man dann durch die Schnee- und Lavawüste wandern und die Natur auf sich wirken lassen. Das volle Exkursionspaket schlägt mit insgesamt 62 Euro pro Person zu Buche und umfasst die Seilbahn, den Transfer mit antiken aber perfekt geländegängigen Unimogs auf etwa 3.000 Meter sowie eine rund 40-minütige Führung rund um einen Krater. Ob es einem das Geld wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich glaube, wenn wir es nicht gemacht hätten, wäre der Ärger am Ende doch groß gewesen.

Ätna

Lava ist langsam

Gleich zu Beginn der Exkursion betonte der Bergführer, dass ein Ausbruch im Prinzip jederzeit und an jedem Ort stattfinden könnte, eine Vorwarnzeit gäbe es eigentlich nicht. Angesichts des riesigen Geländes ist die Gefahr für die Besucher aber wohl eher gering einzuschätzen und die meisten Eruptionen dienen lediglich dem Druckabbau und speien kein Feuer. Sollte es aber doch einmal zu einem großen Ausbruch kommen, sind die Fluchtmöglichkeiten durchaus gut, denn mit 200 Metern pro Stunde kriecht der Lavastrom verhältnismäßig langsam den Berg hinab. Dort wo er langfließt, hinterlässt er allerdings eine Schneise der Verwüstung, was beim letzten großen Ausbruch im Jahr 2001 die Bergstation der Seilbahn zerstörte, die Pfeiler der Seilbahn dahinschmelzen ließ und bis zum Rifugio vordrang. Ein Jahr später wurde die zweite Bergstation im Norden des Ätna durch einen weiteren Ausbruch vollständig zerstört, sie ist bis heute nicht wieder aufgebaut.

Die Seilbahn am Rifugio Sapienza

Die Seilbahn am Rifugio Sapienza

Der Rundweg um den Krater eröffnet den Blick in alle Richtungen und man erkennt die vielen unterschiedlich großen Krater, die dokumentieren, wieviele Eruptionen es selbst im unmittelbaren Umkreis gegeben haben muss. Gräbt man mit der Hand nur ein paar Zentimeter in den Boden, hält man 40°C warmes Gestein in der Hand, das auch 14 Jahre nach dem letzten Ausbruch die Wärme konserviert hat. Würde man weiter graben, könnte man das dort weit über 100°C heiße Gestein nicht mehr in die Hand nehmen. Um solche Details zu erfahren, ist ein Bergführer unabdingbar. Letztes Highlight kurz vor der Abfahrt der Busse zurück zur Station war ein übereifriger Niederländer, der den Anschluss an die Gruppe verpasst hatte und nun eine Abkürzung einen Lavahügel hinab nehmen wollte. Seine zerrissenen Shorts bezeugten später den Abgang auf dem Hosenboden.

Zurück an der Bergstation wurde man im Souvenirladen freundlich mit einem Limoncello empfangen. Uns stand der Sinn aber nach etwas herzhafterem und so gönnten wir uns auf der Terrasse einen kleinen Imbiss und ein kühles Bier.

Ätna

Culinaria

Unser kleiner Snack bestand aus zwei Arancini, den ersten seit wir auf Sizilien sind. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Pasta alla Norma

Pasta alla Norma

Für den Abend suchten wir uns wieder eine Lokalität in Aci Trezza. Es ist wirklich sehr angenehm, nur ein paar Minuten gehen zu müssen. Auf Sardinien mussten wir immer mit dem Auto fahren. Die Wahl fiel auf das 5 an der Via Provinciale. Dieses Mal bestand unser Menü jeweils aus Primo und Secondo. Es gab Linguine al Limone e Bresaola (ein luftgetrockneter Rinderschinken) und La Classica Catanes eigentlich Pasta alla Norma mit Tomatensauce, Auberginen und Ricotta. Letztere ist ein kulinarisches Muss auf Sizilien. Seinen Namen hat das Gericht von der Oper Norma des bekannten und in Catania geborenen Komponisten Vincenzo Bellini. Beide Pastagerichte waren sehr schmackhaft. Ich hätte nicht gedacht, dass der geräucherte Schinken so gut mit dem Limonenaroma harmoniert. Diese bringt eine erstaunliche Frische und Leichtigkeit in die Pasta. Bei Pasta alle Norma war ich zugegebenermaßen skeptisch, da Auberginen oftmals entweder mit Öl vollgezogen oder total trocken sind. Hier jedoch ergänzen sie sich mit Tomaten und Ricotta perfekt, nehmen den Tomaten ein wenig von ihrer Säure und machen die Sauce cremig. Also bitte probieren!

Auf den Primo folgte der Secondo: zum einen Polpette (kleine Rindfleischbällchen). In diesem Fall serviert zwischen zwei Zitronenscheiben. Dazu wurden Rosmarin- und Basilikumöl extra gereicht. Ich weiß nicht, ob die Zitronen nur Dekoration waren, aber die Polpette mit etwas Zitrone und Rosmarinöl waren sehr lecker. Der andere Hauptgang war ein „Hamburger“, jedoch nicht in der Form, die man vielleicht erwarten würde, sondern im Grunde ein Hacksteak. Dazu gab es ein paar Salatblätter und verschiedene Saucen. Auch sehr lecker.

Zum Abschluss bestellten wir nur Cafe. Aber uns wurde noch ein kleines „Törtchen“ serviert. Den Namen habe ich leider nicht verstanden, daher beruht meine Beschreibung allein auf meiner geschmacklichen Vermutung: Der Boden bestand aus einer Pistazienmasse und darauf war eine feste Ricotta-Mandelcreme.

Nach diesem Mahl war ich persönlich ziemlich fertig! Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Italiener nach 22 Uhr noch essen können. Ich glaube nicht, dass ich nochmals Primo und Secondo zu mir nehmen werde. Aber lecker war’s!

Ein paar Bilder

Sizilien 2015

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One Comment

  1. Anna / November 8, 2018 at 22:45 /Antworten

    Der Ätna steht auch schon seit einiger Zeit auf meiner Löffelliste. Genauso wie der Stomboli, übrigens. Vielleicht komme ich ja mal dorthin, dein Artikel hat auf jeden Fall Lust darauf gemacht. 🙂

    • Treverer / November 9, 2018 at 8:41 /Antworten

      Hallo Anna, Sizilien kann ich sowieso empfehlen, das ist noch einmal ein ganz anderes Italien. Mein Besuch auf dem Ätna ist ja auch schon drei Jahre her, ich hoffe es hat sich nicht allzu viel geändert. Da hat man auch den gewissen Nervenkitzel, weil er ja noch sehr aktiv ist und man nie genau weiß, wo sich der nächste kleine Krater auftut. Viele Grüße, Andy!

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