Valencia – Stadt im Zeichen der Fledermaus

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Eine Auszeit war dringend nötig und bei nur noch einer Handvoll verbliebener Urlaubstage fiel die Entscheidung schnell in Richtung einer Städtereise. Kurz die Preise bei Ryanair für den fraglichen Zeitraum gecheckt und am Ende sollten es fünf Tage in Valencia werden. Wahrlich eine tolle Stadt, enorm abwechslungsreich zwischen Tradition und Moderne oszillierend, dabei lebendig und jung und keine Sekunde langweilig. Und allgegenwärtig ist die Fledermaus, das Wappentier der Stadt.

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Perfekte Anbindung

valencia 066Flüge mit Ryanair können zur bösen Überraschung werden, wenn man die Entfernung zwischen Flughafen und dem eigentlichen Reiseziel nicht im Auge behält. Die beiden mit Barcelona verknüpften Flughäfen Reus und Girona sind beispielsweise nur durch endlos lange Busreisen erreichbar und auch Frankfurt-Hahn liegt überall, nur nicht in unmittelbarer Nähe von Frankfurt.

Ganz anders in Valencia. Der Flughafen liegt nur 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, das bequem und preisgünstig mit der U-Bahn erreichbar ist (Preise zwischen 4,40 Euro und 4,90 Euro). Unsere Unterkunft, eine geräumige Ferienwohnung mit Küche (einschließlich Waschmaschine und Herd mit Ceranfeld und Backofen), Bad, zwei Schlafzimmern und einem Wohnzimmer lag am Rande der Altstadt, nur einen kurzen Fußweg von der Metrostation (direkt Richtung Flughafen und Meer) und eine Viertelstunde von der Kathedrale entfernt. Für die etwas weiter entfernten Sehenswürdigkeiten wie das Estadio Mestalla oder die Ciudad de las Artes y de las Ciencias bietet sich die Valencia Card an, ein Ticket für den gesamten öffentlichen Nahverkehr, mit dem man für viele Attraktionen Rabatte bekommt oder gleich umsonst hereinkommt (drei Tage für 22,50 Euro).

Mercado Central

Zwischen der Wohnung und der historischen Altstadt liegt El Mercat, die gigantische Markthalle der Stadt. In dem 1928 eröffneten Bau mit der markanten Glaskuppel tummeln sich auf 8.000 m² unzählige Marktstände mit frischem Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse, Gewürzen, Backwaren uvm. Die Gerüche und Eindrücke sind überwältigend und alles ist extrem sauber, gepflegt und liebevoll arrangiert. Das Gebäude an sich ist mit all den Kacheln, farbigen Glasfenstern und der Kuppel, durch die das Licht den Markt in ein freundliches Licht getaucht wird, mehr als sehenswert, doch es sind die Marktstände und faszinierenden Produkte, die den Reiz dieses Ortes ausmachen. Hier kaufen die Einheimischen zu insgesamt sehr günstigen Preisen und sie mischen sich mit den zahlreichen Touristen, die mit offenem Mund durch die Gänge streifen. El Mercat – ein wahrer Palast der frischen Lebensmittel!

Eine etwas andere Verwendung findet der ebenfalls alte überdachte Mercado de Colón im Stadtviertel zwischen der Carrer de Colón und der Gran Via del Marqués del Túria (Metrostation Colón). Heute beherbergt das 1916 eröffnete Gebäude Geschäfte und Gastronomie. Diese laden wie das ganze Stadtviertel mit seiner großbürgerlichen und großzügigen Bebauung zum Flanieren, Verweilen und Shoppen ein.

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Die Altstadt

Rund um die Kathedrale Santa María de Valencia verliert man sich als Ortsunkundiger in einem verwirrenden Gewirr enger Gassen, in denen es an jeder Ecke etwas neues zu entdecken gibt. Interessante kleine Geschäfte, zahllose Restaurants und Bars und immer wieder kleine Plätze, auf denen man zur Ruhe kommen und das Gewusel um sich herum in sich aufsaugen kann. Im Zentrum der Altstadt liegt die Kathedrale, die von großzügigen Plätzen umgeben ist: Die Plaza de la Virgen mit dem Riu-Túria-Springbrunnen, die viel befahrene aber dennoch lauschige Plaza de la Reina und hinter der Kathedrale die Plaza de la Almoina. Überall laden Cafes, Bars und Restaurants zum Verweilen ein. Traditionelle Kunsthandwerkerläden, die Keramik, Stoffe, Bänder und Borten verkaufen, findet man an und auf der Plaza Redonda. Der runde Platz wurde 1840 errichtet und 2012 saniert. Auch bei den umliegenden Restaurants und Bars lohnt sich durchaus ein Blick.

Unbedingt ansehen sollte man sich die ehemalige Seidenbörse Lonja de la Seda aus dem späten 15. Jahrhundert, die mittlerweile Weltkulturerbe-Status besitzt. Zwei beeindruckende Säle und ein beeindruckendes burgähnliches Gebäude machen diese „Kathedrale des Handels“ zu einer der bedeutendsten Touristenattraktionen der Altstadt.

Die Kathedrale

Ich bin ja nun wirklich kein großer Kirchgänger, aber spanische Kirchen haben mich schon immer sehr fasziniert. Da machte auch die große Kathedrale von Valencia keine Ausnahme. Das erste Mal betreten haben wir sie in den frühen Abendstunden, es waren nur wenige Besucher im Gebäude und da es draußen schon langsam anfing dunkel zu werden, drang auch nur wenig Licht in den Innenraum. In einer der kleinen Kapellen im für Gottesdienste abgetrennten Bereich der Kathedrale fand eine Andacht statt und insgesamt herrschte eine sehr besinnliche Atmosphäre. Zahlreiche eindrucksvolle Kunstwerke und Reliquien, wie der Unterarm des Heiligen Vinzenz von Valencia, einem Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert, sind zu entdecken. Die Tafeln mit den Erklärungen sind leider nur auf Spanisch. Also stand die Kathedrale zwei Tage später erneut auf dem Programm und diesmal half ein Audioguide, die Schätze des Gotteshauses vollständig zu erschließen. Nun war auch das Museum geöffnet (bis 18.30 Uhr) und in der Capilla del Santo Caliz kann man unter anderem den Heiligen Kelch bewundern, den Christus der Überlieferung nach beim letzten Abendmahl benutzte. Er besteht aus einer Achatschale mit Verzierungen aus Gold, Onyx und verschiedenen Edelsteinen und Perlen. Nun gut, ich halte es da eher mit Indiana Jones: ein einfacher Tonkelch, der Becher eines Zimmermanns statt Gold und Juwelen.

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Der Blick von Oben

Einen herrlichen Überblick über Valencia kann man sich von mehreren Türmen verschaffen. Zu allererst vom Torre del Micalet, dem achteckigen Glockenturm der Kathedrale. Hat man die etwas mehr als 200 Stufen überwunden, hat man eine wundervolle, freie Rundumaussicht über die Stadt bis zum Meer auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite. Auch die erhaltenen Stadttore eignen sich gut, einmal eine neue Perspektive einzunehmen. Die Torres de Serranos aus dem späten 14. Jahrhundert waren einst das wichtigste der 12 Stadttore. Von hier führte der Weg Richtung Barcelona und Nordspanien. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie als Gefängnis genutzt. Gelegen ist das Tor direkt am Jardín del Turia. Fast am anderen Ende der Stadt liegen im Westen die Torres de Quart, an deren Mauern man noch die Einschusslöcher aus dem spanischen Erbfolgekrieg zu Beginn des 18. Jahrhunderts erkennen kann. Dieses Tor musste man durchqueren, wenn man aus Richtung Madrid kam.

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Eine Stadt in Grün

Der Enge der historischen Altstadt oder der Wohngebiete außerhalb kann man in Valencia auf vielfältige Weise entgehen, denn trotz etwa 800.000 Einwohner gibt es zahlreiche Oasen und Rückzugsräume. Die beeindruckendste Parkanlage ist der Jardín del Turia. Das ehemalige Flussbett des Flusses Turia, der nach einer Überschwemmung umgeleitet wurde, ist seit Beginn der 80er Jahre eine fast sieben Kilometer lange Parkanlage, die vom Bioparc bis zur Ciudad de las Artes y de las Ciencias reicht und vor allem während der Siesta und gegen Abend von unzähligen Joggern, Radfahrern oder sonstigen Ruhe- und Erholungssuchenden bevölkert wird. Ein weiterer schöner Ort, um der Geschäftigkeit der Großstadt zu entfliehen, ist der Botanische Garten, nur wenige Straßen von unserer Unterkunft entfernt. Er ist eine wahre Oase der Ruhe und die Schatten der großen Bäume bringen, wem will, die ersehnte Kühle. Imposant ist das alte eiserne Gewächshaus. Bevölkert wird der Garten von zahlreichen Katzen. Durchatmen ist angesagt.

Das Meer

Was man in dieser Stadt fast vergessen kann: Valencia liegt am Meer. Nur zwanzig Minuten mit der Metro dauert es, bis man den Hafen und den Stadtstrand Valencias erreicht hat. Bäume voll mit Zitrusfrüchten weisen den Weg und viele Einheimische im Strandoutfit strömen in Richtung Wasser. Der breite Sandstrand bietet eine schöne Promenade mit zahlreichen Buden und Restaurants, auf der man bis zum Hafen flanieren kann. Dort kann man von einer langgezogenen Mole aus den Jachthafen ansehen und auch dort gibt es noch eine ganze Reihe vielversprechender Restaurants, die vor allem für frischen Fisch bekannt sind, die wir aber nicht ausprobiert haben.

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Fazit

Valencia bietet ideale Voraussetzungen für einen entspannten und anregenden Kurzurlaub. Es gibt wahnsinnig viele Dinge anzusehen und für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein. Schön ist es aber ebenso, sich einfach treiben zu lassen, dass mediterrane Lebensgefühl aufzusaugen und das Leben zu genießen. Hier war ich ganz sicher nicht zum letzten Mal!

Eigene Berichte spendiere ich noch diesen Attraktionen:

– Ciudad de las Artes y de las Ciencias
Estadio Mestalla

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