By

Drei Mal war ich mittlerweile in Dresden und jedes Mal absolut begeistert. Und es gab immer einen Grund: Mein erster Besuch war anlässlich einer Konferenz, beim zweiten Mal war es ein Spiel von TuS Koblenz und diesmal waren es die Broilers (zum Konzertbericht). Das bildet meine verschiedenen Interessen schon einmal recht gut ab. Unter allen Städten, die ich bislang besucht habe, nimmt Dresden eine Sonderstellung ein. Es gibt wohl kaum einen Ort, an dem ich mich so wohl fühle wie in der Elbmetropole.

dresden14_ 39

Die Schönheit der Vergangenheit

Die historische Altstadt Dresdens ist ein Freilichtmuseum von selten gesehener Schönheit. Auf einen Blick erschließt sich dem Besucher die glanzvolle Barockzeit der Stadt, die durch den verheerenden Zweiten Weltkrieg und vor allem die schicksalshafte Nacht des Bombenangriffs vom Februar 1945 zu großen Teilen zerstört wurde. Dass wir viele Gebäude heute wieder in ihrer alten Pracht betrachten dürfen und selbst die unfassbaren Säle des Grünen Gewölbes wieder zu besichtigen sind, ist kaum zu glauben, wenn man die verblichenen Fotos der Vergangenheit mit den darauf sichtbaren Zerstörungen sieht. Die Energieleistung des Wiederaufbaus, man denke nur an die Frauenkirche, lässt mich stets mit einem Kopfschütteln und wirklich bewegt zurück.

dresden14 10An nicht einmal drei Tagen lässt sich eine Stadt wie Dresden nur erahnen und nicht einmal ansatzweise erkunden. Beim letzten Besuch hatte ich mir die Galerie der alten Meister im Zwinger angesehen, diesmal war die Residenz mit dem weltberühmten Grünen Gewölbe und der Türckischen Cammer Ziel meines Besichtigungsprogramms. Ich bin ja eher der Mittelaltertyp und kann mit dem ganzen Barocknippes meistens nicht so wahnsinnig viel anfangen, aber die Pracht der Ausstellung war außerordentlich eindrucksvoll. Manche Leute haben und hatten ganz offenbar einfach zu viel Geld. Das historische Grüne Gewölbe, erst seit 2006 wieder zu besichtigen, besticht neben den Ausstellungsstücken vor allem durch die Räumlichkeiten. Neun Säle beherbergen Teile der ursprünglichen Ausstattung. Viel ist in den Zeitläuften verloren gegangen, Gold und Silber wurden häufig einfach eingeschmolzen. Doch was noch da ist, ist erstaunlich genug. Weitere Teile der Sammlung befinden sich im neuen, modernen grünen Gewölbe, auch hier finden sich unzählige Merkwürdigkeiten wie Miniaturschnitzereien auf Kirschkernen oder ein detailliertes Segelschiffmodell inkl. Neptun komplett aus Elfenbein. Ebenso abgedreht sind vollautomatische Robotertrinkspiele aus dem 17. Jahrhundert und wahnsinnige Sachen finde ich ja schon recht gut. Die Türckische Cammer bezeugt die Sammelwut der Fürsten, die sich in eine Orientbegeisterung hineinsteigerten und Zelte, Waffen und sonstigen Kram zusammentrugen, der nun heute in einer extra Ausstellung besichtigt werden kann. Darüber hinaus bietet die Residenz noch einige weitere Ausstellungen, ein Tag reicht kaum, um sich entspannt durch die Räume zu bewegen und die erstaunlichen Exponate angemessen würdigen zu können. Irgendwann ist der Kopf einfach voll.

dresden14_ 26Zum zweiten Mal schaute ich mir dagegen die Frauenkirche an. Vielleicht ist es keine so gute Idee, das an einem sommerlichen Samstagnachmittag zu tun, denn in der Kirche, die in dem Moment kaum mehr an ein Gotteshaus erinnert, summte es in einem undurchdringlichen Sprachengewirr wie in einem Bienenstock, überall flackerten trotz Fotografierverbots die Blitzlichter und es herrschte an den Engstellen ein geradezu pogoeskes Gedränge. Was für eine Wohltat bot dagegen die Unterkirche, ein verzweigtes Netz von Räumen, die zur Besinnung einluden und hier war es dann tatsächlich einmal richtig ruhig.

Zum Touriprogramm gehört auch eine Stadtrundfahrt auf der Elbe. Mit der Sächsischen Dampfschifffahrt tuckert man gemächlich in Richtung der drei wundervollen Elbschlösser bis zum Blauen Wunder, einer Elbbrücke, die heute eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt ist.

Das pulsierende Leben der Gegenwart

dresden14 2Lässt man die historische Altstadt hinter sich und überquert die herrliche Augustusbrücke, so verändert die Stadt ihr Gesicht und auch ihr Wesen. Ehrfurcht gebietende Schönheit wandelt sich in Energie und Lebendigkeit. Die Äußere Neustadt, eine mittlerweile legendäre Partymeile, hat einen ganz eigenen Stil weitab von jeder Ballermann-Prolligkeit. Es herrscht eine entspannte, alternativ geprägte Atmosphäre. Unzählige Bars und Kneipen sind an den Abenden von interessanten Menschen bevölkert, tagsüber kann man in faszinierenden Geschäften stöbern oder auch nur die Auslagen betrachten. Hier habe ich mich schon beim letzten Mal sehr wohl gefühlt und viel hat sich in den vergangenen drei Jahren für mich als Außenstehenden nicht verändert. Allerdings begegnet man auch hier nun immer wieder Flugblättern, Plakaten oder Graffitis, die vor den Folgen der Gentrifizierung warnen. Am Ende des Kurzbesuchs ist mir aufgefallen, dass ich von der Neustadt kein einziges Foto gemacht habe. Eigentlich schade, aber auch ein gutes Zeichen. Vor lauter Schauen und Genießen habe ich es offenbar einfach vergessen.

Ein Hauch von Mexiko

mezcaleroDirekt an der Königsbrücker Straße inmitten der Äußeren Neustadt liegt das Hostel Mezcalero mit liebevoll gestalteten mexikanisch angehauchten Zimmern. Reisende können sich entweder in einem Mehrbettzimmer zur Ruhe legen oder eins der Doppelzimmer wählen. Letztere sind wirklich geräumig, unser Zimmer bestand eigentlich sogar aus zwei, wodurch ich abends noch ohne zu stören am Rechner sitzen und ein Tagesabschlussbier trinken konnte. Das konnte man zu sehr kundenfreundlichen Preisen an der mehr oder weniger immer geöffneten Bar des Hauses erwerben. Gratis W-LAN gab es mit ein paar Unterbrechungen auch, es gab also wirklich nix zu meckern. Auch das angebotene Frühstücksbuffet für 6,90 Euro war super und vielen der Sachen merkte man an, dass sie liebevoll selbstgemacht waren. Das Mezcalero kann also bedingungslos weiterempfohlen werden!

Culinaria

Verhungern oder Verdursten muss man auch nach dem Frühstück im Mezcalero in Dresden wahrlich nicht. Die Vielfalt an unterschiedlichen Restaurants und Imbissen mit Essen aus der ganzen Welt ist beachtlich. Den ersten Abend verbrachten wir im Espitas, einem mexikanischen Restaurant in der Louisenstraße. Nach kurzer Zeit war dann auch ein Tisch für uns gefunden und wir testeten verschiedene Spezialitäten aus dem Reich der Sachsen-Azteken. Die riesige Tequilakarte überforderte uns etwas, als blieb es beim Standard-Sierra (Silver). Der Besuch im Espitas war eigentlich ein Testlauf, denn hier war ich bei meinem letzten Besuch bereits gewesen und hatte einen hervorragenden Brunch genossen, damals zu sensationellen 6,80 Euro incl. Kaffee. Den Brunch gibt es auch immer noch und wir reservierten gleich einmal Plätze für den Samstag. Er kostet zwar jetzt 9,80 Euro exkl. Getränke, ist sein Geld angesichts des umfangreichen warm-kalten Buffets aber absolut wert.

Einen kulinarischen Leckerbissen gab es auch am Freitag. Zu einem Konzert der Broilers sollte man ja gestärkt gehen und daher haben wir uns entschlossen im Dampfschwein, ebenfalls in der Louisenstraße, einen Pulled-Pork Burger zu genießen. Das Fleisch und ebenso der Krautsalat waren ausgezeichnet, lediglich das Brötchen hätte ein paar Sekunden weniger Flamme gebrauchen können. Für 4,80 Euro aber eine echte Alternative zu gewöhnlichem Fast Food.

beatsnburgerFür Burgerfreunde hält die Dresdener Neustadt noch ein anderes Highlight bereit. Im Beat’n’Burger in der Königsbrücker Straße, nur ein paar Schritte vom Hostel entfernt, gibt es seit einigen Wochen vorzügliche und liebevoll zubereitete Burger zu hervorragenden Preisen zu erwerben. Ob man sich nun den scharfen Latin Burger mit Salsa, Chili, Bacon und Jalapenos (5,90 Euro) oder den Grunge Burger mit Spiegelei, Bacon und geschmorten Zwiebeln (6,50 Euro) einverleibt, das perfekt gebratene Beef steht im Mittelpunkt und man tut gut daran, sich genügend Servietten zum Aufsaugen des tropfenden Fleischsaftes mitzunehmen!

Auch Biertrinker kommen auf ihre Kosten. Das vorherrschende Bier in der Stadt ist Radeberger, was aber merkwürdigerweise in vielen Kneipen frisch gezapft nicht so richtig kalt war. Vielleicht trinkt man das ja so… Auch Köstritzer Schwarzbier gab es an jeder Ecke, aber wenn man die Augen etwas aufhielt, gab es Biere kleinerer Brauereien zu probieren. In Erinnerung geblieben sind mir die Biere der Watzke-Privatbrauerei sowie das Eibauer Zwick’l Naturtrüb. Das großartigste Bier fand ich allerdings im Beat’n’Burger. Allein das sensationelle Design des Bier-Biers hatte es mir direkt angetan, aber geschmeckt hat es ebenfalls! Und eine tolle Botschaft steckt ebenfalls dahinter, denn Bier ist das offizielle Getränk der ‚Bewegung für Inhalte, Entschleunigung und Reduktion‘ (BIER). So eine Idee muss einfach unterstützt werden!

Das war ganz sicher nicht mein letzter Besuch in Dresden. Eine Stadt, an der man einmal so richtig spürt, was einem in kleineren, provinzielleren Städten wie Trier an Lebensqualität fehlt. Nicht dass ich es dort nicht schön finden würde, ganz im Gegenteil, aber das hier ist ein ganz anderes Level, auch wenn Kurzbesuche das wohl nur ungenügend erfassen können. Vielleicht komme ich ja einmal für länger, wer weiß.

About the Author

 

Leave a Reply