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Es war kaum zu glauben: Bei strömendem Regen in Trier losgefahren, zeigte sich das saarländische Wetter von seiner besten Seite. Kein Regen und sogar die Sonne ließ sich blicken! Beste Voraussetzungen also für einen grandiosen Festivaltag, an dem vor allem Welle: Erdball und Subway to Sally voll und ganz überzeugen konnten!

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Darkhaus und melodische Stahlmänner

Fast hätte ich den Startschuss zum zweiten Festivaltag verpasst, denn als wohlerzogener Junge schlägt man natürlich ein angebotenes Getränk auf dem Parkplatz keinesfalls aus! Aber zumindest einen Eindruck konnte ich mir von Darkhaus noch verschaffen und der war durchaus positiv. Die multinationale Band spielt klassischen Düsterrock und ist derzeit mit Hochkarätern wie Subway to Sally in Europa unterwegs. Mir bislang bis auf den Namen völlig unbekannt, machte der Vorgeschmack durchaus Lust auf mehr. Skeptisch war ich dagegen bei der zweiten Band des Tages, denn Sündenklang sind ein musikalischer Ableger der von mir bekanntlich wenig geschätzten Stahlmann-Truppe. Musikalisch geht man hier allerdings etwas melodischere Wege und so gefiel mir der Auftritt doch wesentlich besser als das oft etwas alberne NDH-Gepose von Stahlmann.

 Hallo, hier spricht Welle: Erdball

HT_1tag 11Musik ohne Gitarren habe ich ja lange kategorisch abgelehnt, doch seit dem heute fast schon legendären Chaos-Hexentanz 2012 habe ich Welle: Erdball in mein Herz geschlossen, hatten sie doch maßgeblichen Anteil daran, dass der zweite Festivaltag nicht komplett der Witterung zum Opfer fiel. Nach dem improvisierten und dennoch grandiosen Zeltauftritt damals waren meine Erwartungen entsprechend hoch und sie wurden nicht enttäuscht. Eine tolle Bühnenshow, eingängige Lieder und der allgegenwärtige Nostalgiefaktor sorgten für einen schönen Konzertnachmittag und selbst knallharte Kuttenmetaller tanzten ausgelassen. Vor der Bühne war es zum ersten Mal richtig voll geworden und auch das Quartett um Sänger Honey hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt.

Eine Riege alter Hasen

So unterschiedlich sie auch sind, eins hatten von Welle: Erdball an alle Bands gemeinsam: reichlich Bühnenerfahrung. Megaherz machen nun auch schon 20 Jahre die Bühnen unsicher, gehören allerdings nicht zu meinen großen Lieblingen. Der diesjährige Hexentanz-Auftritt war aber absolut in Ordnung und war in meinen Augen wesentlich abwechslungsreicher gestaltet als der vom Hexentanz 2011, zumindest in meiner Erinnerung. Man muss aber zugeben, dass Megaherz ein absoluter Publikumsmagnet sind. Vor der Bühne war die Hölle los und die Stimmung ausgezeichnet. Sie hatten aber auch das beste Wetter des Tages erwischt.

HT_1tag 18Mit gemischten Gefühlen sah ich dem Konzert einer meiner früheren Favoriten entgegen. Die Letzte Instanz hatte mich beim Auftritt in Losheim Ende 2011 bitter enttäuscht und auch die letzten Alben haben mich nicht überzeugt. Leider begann auch das diesjährige Hexentanz-Konzert schleppend. Beim ersten Konzert nach der Trennung von Holly D. scheint die Band ihre letzten Kanten verloren zu haben und so plätscherte das Konzert weitgehend an mir vorbei. Sehr schade, denn die Band hat mir immer sehr viel bedeutet und nun bleibt wenig mehr als ein Haufen in Watte gepackter Pathos. Gegen Ende wurde das Tempo dann doch noch einmal angezogen, da hatte ich mich aber schon zum Mittagessen zurückgezogen.

Hexentanz kulinarisch

HT_1tag 14Apropos: Ein gutes Festival steht und fällt auch mit der Verköstigung, wenn man nicht auf dem Campingplatz kalte Ravioli oder totgegrilltes Neonfleisch essen will. Hier hat der Veranstalter wirklich ein gutes Händchen bewiesen, denn neben Getränken (zum Glück kein Karlsberg) gibt es ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot. Neben Standards wie Gegrilltem, Burgern, Pommes und Pizza, gibt es auch einen Stand mit vegetarischem Essen und einen durchaus empfehlenswerten Asiaten. Als Highlight gibt es außerdem einen Stand, an dem Pulled Pork Brötchen angeboten werden, das stilecht im Smoker zubereitet wird. Wirklich lecker, muss ich auch mal wieder selbst machen!

Der Tag der Legenden

Die Topacts des ersten Tages stellten zwei absolute Szenegrößen, nämlich Project Pitchfork und Subway to Sally. Der Einfluss beider Bands auf die Szene kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. So ist ohne Project Pitchfork die gesamte Düsterelektro-Szene nahezu undenkbar und die Verdienst von Subway to Sally für den Mittelalterrock sind unbestritten. Die Jungs mit der Heugabel habe ich zuletzt im Jahr 2004 im Trierer Wellblechpalast gesehen und es war furchtbar. Ein grauenhafter Sound ruinierte damals das ganze Konzert, diesmal aber war alles in Ordnung. Peter Spilles und Dirk Scheuber legten mit Pitch-Black los wie die Feuerwehr, man merkte allerdings, dass der Düsternachwuchs im Festivalpartymodus mit den Elektrolegenden nicht so wirklich viel anfangen konnte. Somit tanzten vor der Bühne vornehmlich die älteren Nachtschattengewächse.

HT_1tag 25Das sah beim Headliner Subway to Sally erwartungsgemäß anders aus. Jeder der noch konnte erwartete gespannt den Auftritt der Potsdamer, die gerade mit den Mördergeschichten ihres neuen Albums Mitgift einen echten Kracher veröffentlicht hatten. Die neuen Lieder bildeten so auch den Schwerpunkt des Auftritts, passten sich aber perfekt in den Subway-Sound ein. So entstand ein Konzert aus einem Guss, auch wenn der Sound zu Beginn etwas zu wünschen übrig ließ und vor allem der Gesang zu leise abgemischt wurde. Doch auch das bekam man in den Griff und so endete der Tag standesgemäß mit einer der größten Bands der Szene und einer der wenigen, die dem Status Headliner vollauf gerecht werden können. Ein toller Festivaltag und ich freue mich schon sehr auf das Finale mit Diorama, Saltatio Mortis und vielen anderen!

Hier geht es zu Tag 1 und Tag 3!

 

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