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So langsam neigte sich unsere Reise dem Ende zu und an diesem Tag erreichten wir den Punkt der Insel, an dem im Vorjahr unsere Reise endete: Slieve League. Von Glenties aus führte uns diese Etappe erneut zu fantastischen Stränden, mystischen Orten und einem traumhaften Wasserfall. Und am Ende stand dann der Sonnenuntergang an einem der schönsten Orte, an dem ich jemals war.

Slieve League

Der Morgen begann noch bedeckt, aber das hält uns natürlich keinesfalls davon ab, den Tag mit einem kleinen Strandspaziergang zu beginnen. Der Narin Beach ist ein weitläufiger Strand, an dem man bei Ebbe bis zur Insel Iniskeel laufen kann. Darauf verzichteten wir allerdings, denn wir hatten noch einiges vor.

Narin Beach

Etwas schwierig gestaltete sich der Weg zum Kilclooney Dolmen, wobei uns eher eine gewisse deutsche Obrigkeitshörigkeit als der Orientierungssinn dazwischenfunkte. Gleich hinter der Kirche fanden wir den Weg zum Dolmen nämlich recht schnell, doch dann versperrte uns ein Gatter mit eindeutigen Schildern den Weg, die auf Privatbesitz hinwiesen. Davon beeindruckt und nicht so ganz sicher, ob der Weg wirklich richtig war, zogen wir uns erst einmal wieder zum Auto zurück und besprachen das weitere Vorgehen.

Dann kam uns das Glück zur Hilfe, denn gerade als wir losfahren wollten und ich noch ein Foto von einem falsch herum aufgehängten Wegweiser des Wild Atlantic Ways machte, tauchte ein deutsches Paar auf, das gerade vom Dolmen kam. Wir lagen also richtig. Somit wagten wir einen zweiten Versuch und der Weg zum Kilclooney Dolmen hat sich wirklich gelohnt. Kleiner, aber auch viel ruhiger als der Poulnabrone Dolmen, den wir im letzten Jahr besucht hatten, ist die wohl um 3.500 v. Chr. errichtete Grabanlage ein echtes Idyll.

Kilclooney Dolmen

Das Wetter hatte sich mittlerweile deutlich verbessert und die Sonne kam heraus. Das machte den Weg zum Assaranca Wasserfall entlang einer kleinen Bucht um so schöner. Man folgt den Schildern Richtung Maghera Beach und die recht enge Straße führt einen zu einem wirklich imposanten Wasserfall in herrlicher Kulisse. Wir fuhren von dort noch ein Stück weiter zum Maghera Beach, dessen besondere Attraktion mehrere Höhlen sind. Dort gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz (3 Euro), den wir aber nur für einen kurzen Besuch der Toilette nutzten.

Assaranca Wasserfall

Der Weg von Norden in Richtung Slieve League ist atemberaubend und bietet unzählige herrliche Ausblicke. Einen besonders schönen hat man vom Glengesh Pass, wobei die Straße selbst auch sehr reizvoll ist. Angesehen haben wir uns im Dorf Glencalumcille noch einen schönen Stein mit Kreuzornament in wirklich heimeliger Umgebung. Wenig später erreicht man bereits die ersten Klippen und so langsam wurde ich schon aufgeregt, bald wieder Slieve League sehen zu können.

Glengesh Pass

Doch der Wild Atlantic Way hatte noch eine Überraschung für uns. Nur wenige Kilometer von den berühmten Klippen entfernt liegt in Malinbeg der Silver Strand, der mich buchstäblich umhaute. Schon vom erhöht gelegenen Parkplatz und Signature Point aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die durch hohe Klippen geschützte, hufeisenförmige Bucht. Wir genossen ein wenig die Aussicht, gingen dann aber die 170 Holzstufen hinab und sahen uns den Strand einmal aus der Nähe an. An der Seite sieht man noch einen kleinen Wasserfall, die Atmosphäre ist wirklich einzigartig. Für mich war dies der vielleicht schönste Strand unserer Reise, die Bergische Maid ist da noch etwas unentschlossen. Die Auswahl ist aber auch riesig, was mich jedes Mal wieder fasziniert, assoziiert man Irland ja eher mit grünen Wiesen und sanften Hügeln als mit karibischen Stränden.

Malinbeg

Unglücklicherweise muss man die 170 Stufen wieder hinauf, und so waren wir froh, als wir auf halber Strecke mit einem Radfahrer ins Gespräch kamen, der auf einer Bank die Sonne genoss. Der gebürtige Pole ist schon mehrfach in seinem Sommerurlaub den gesamten Wild Atlantic Way mit dem Rad gefahren, ohne genaue Planung und mit minimalem Gepäck. Somit konnte er den schönen Sommertag am Strand genießen, ohne sich Gedanken über eine im Vorfeld gebuchte Unterkunft zu machen, irgendwo findet man in Irland immer ein weiches Bett. Er empfahl uns dringend demnächst einmal seine Wahlheimat, die Wicklow Mountains in der Nähe von Dublin zu besuchen, eine Idee, die wir auf jeden Fall aufgreifen wollen.

Kilclooney Dolmen

Kurz hinter dem Parkplatz in der Nähe eines Wollgeschäfts gibt es noch ein besonderes Relikt aus der Vergangenheit zu bestaunen, auch wenn nicht mehr ganz so viel erhalten ist. Ein 5.000 Jahre alter Court Tomb steht mitten in einer Landschaft, die in dieser Gegend wieder einmal massiv vom Torfabbau geprägt ist. Ich bin ja immer etwas hin und hergerissen, denn natürlich gehört das Torfstechen zur irischen Kultur und ich liebe den Geruch eines Kamins, in dem Torf verbrannt wird. Doch die Einschnitte in der Landschaft sind extrem, vor allem in Mayo im vergangenen Jahr sind wir viele Kilometer quasi durch Mondlandschaften gefahren, die einfach nur furchtbar aussahen.

Slieve League

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich unsere Unterkunft direkt unterhalb des ersten Parkplatzes zu den Klippen. Angesichts der Tatsache, dass Wochenende war und wir da ja schon schlechte Erfahrungen gesammelt hatten, machten wir uns erst einmal auf zur Nahrungssuche, was sich tatsächlich sehr schwierig gestaltete. In Carrick funkte uns im Restaurant der Slieve League Lodge eine große Gruppe Radler dazwischen, die das nahezu einzige Haus am Platz mehr oder weniger komplett okkupiert hatten. Auch im Fischereiort Killybegs brauchten wir einige Versuche, bis wir schließlich etwas fanden, wodurch es langsam etwas knapp wurde, denn eigentlich wollte ich gerne noch den Sonnenuntergang an den Klippen erleben. Dank der Fahrkünste meiner Begleitung schafften wir es aber tatsächlich noch rechtzeitig.

Wir wussten ja bereits aus dem Vorjahr, dass der erste Parkplatz am Slieve League nur eine Zwischenstation zu den Klippen ist, öffnet man das Gatter (und schließt es natürlich hinter sich wieder), kann man sich den doch recht weiten Fußweg sparen und quasi direkt am unteren Aussichtspunkt parken. Die Buden der Händler hatten nun schon eingepackt und so war nur noch eine Handvoll Menschen vor Ort, was für eine einzigartige Atmosphäre an den über 600 Meter hohen Klippen sorgte. Wir folgten dem Weg noch etwas hinauf und setzten uns auf einen Stein, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Das war etwas ganz Besonderes für mich und einer der absoluten Höhepunkte der Reise. Was für ein schöner Tag und was für ein fantastischer Ort!

Unterkunft und Food

Das Slieve League House B&B (zu buchen u.a. über booking.com) liegt wirklich nur ein paar Meter vom unteren Parkplatz der weltberühmten Klippen entfernt. Wir fühlten uns in dem erstaunlich großen Haus mit ich glaube acht Gästezimmern sehr wohl. Die Lage ist toll, sehr ruhig und es gab wieder einmal ein gutes Frühstück. Für mich gab es wieder ein Full Irish, die Maid begnügte sich mit Spiegeleiern und Speck.

Killybegs

Wie erwähnt war es etwas schwierig, einen Platz zum Abendessen zu finden, obwohl wir wirklich früh dran waren. Fündig wurden wir schließlich im riesigen Turntable Restaurant im Tara Hotel in Killybegs, wo ich eine Sizzling Fajita und ein paar Biere der Kinnegar Brauerei genießen konnte.

Den Abend beendeten wir standesgemäß im Pub, und die Rusty Makarel gehört auf jeden Fall zu den schönsten der Reise. Urgemütlich und einfach so, wie man sich einen Pub in Irland vorstellt. Hier merkt man abends dann schon, wie abgelegen Slieve League ist und wie einsam es wird, wenn die Tagestouristen weg sind. Pubs erfüllen eine wichtige soziale Funktion, wobei ich dann schon froh bin, wenn man den Besuchern danach dann nicht unbedingt auf den engen Straßen begegnet.

Die Reise auf dem Wild Atlantic Way war für uns nun fast zu Ende, doch eine kleine Verlängerung gönnten wir uns noch. Zwei Tage verbrachten wir noch am Lough Erne im County Fermanagh, wodurch uns der Weg wieder zurück nach Nordirland führte. Doch dazu später mehr.

Bislang veröffentlicht:

  1. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route und dem Wild Atlantic Way
  2. Belfast– Boomtown mit Licht und Schatten
  3. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 1 – Von Belfast nach Cushendall
  4. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 2 – Von Cushendall zu den Dark Hedges
  5. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 3 – Von Ballycastle  nach Portrush
  6. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 4 – Von Portrush über den Giant’s Causeway nach Derry
  7. Derry – „Walled City“ mit dunkler Geschichte
  8. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Derry nach Malin Head
  9. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Malin Head nach Rathmullan
  10. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Rathmullan nach Dunfanaghy
  11. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Dunfanaghy nach Glenties

Ein paar Bilder

(Galerie liegt bei Flickr, daher anderes Layout)

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