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Unsere Reise auf dem Wild Atlantic Way führte uns mittlerweile tief in die Gaeltacht, wo Gälisch die vorherrschende Sprache ist und die Schilder oft nur noch einsprachig sind. Doch wir waren gut vorbereitet und fanden unsere Ziele allesamt auf Anhieb! Höhepunkt des etwas trüben Tages sollte der Besuch im Glenveagh National Park sein, ein Paradies für Spaziergänger und Blumenliebhaber.

Glenveagh National Park

Glenveagh National Park

Nachdem wir in Dunfanaghy noch ein paar Mitbringsel einkauften, führte uns der erste Stopp kurz vor Falcarragh zur Ruine der Ray Church, wo sich ein besonders grausiges Kapitel der irischen Geschichte abgespielt hat. Gegründet wurde die Kirche schon im 6. Jahrhundert, ein besonderes Highlight ist das fünfeinhalb Meter hohe Steinkreuz, das wohl das älteste erhaltene Exemplar aus dem Frühmittelalter darstellt. Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche von den Soldaten Oliver Cromwells zerstört, dabei wurde die gesamte Gemeinde während der Sonntagsmesse niedergemetzelt, die Opfer wurden in einem Massengrab beigesetzt. Heute ist die Ruine ein friedlicher Ort, lediglich wir, ein paar Schafe und selig schlummernde Wildcamper aus Frankreich waren vor Ort.

Ray Church Donegal

Ray Church

Von der N56 geht es weiter auf die R257, einer malerischen Strecke, die diesmal leider in Dunst und Nebel versank. Somit war der Magheroarty Beach & Pier, von wo aus die Fähre zur Insel Inishbofin ablegt, nur zu erahnen. Auch die bei gutem Wetter in weiches Licht getauchten roten Felsen von Bloody Foreland blieben uns verborgen.

Somit hielten wir uns erst einmal wieder an die Ruinen und wollten uns auf dem Weg in den Nationalpark die Old Dunlewy Church nicht entgehen lassen. Gelegen am Fuß des Mount Errigal und direkt am Poisoned Glen genannten See, wirkt die Ruine nicht nur wegen des Wetters düster und geheimnisvoll. Kurz davor machten wir noch Halt an der neueren Dunlewy Church, die (theoretisch) auch einen sehr schönen Blick auf den Berg bietet.

Glenveagh National Park

Glenveagh National Park

Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis zu den (kostenfreien) Parkplätzen des Glenveagh National Park Visitor Centres. Der Nationalpark wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebaut und umfasst heute fast einhundert Quadratkilometer Land. Im Zentrum liegt Glenveagh Castle, das zwischen 1870 und 1873 von John George Adair erbaut wurde. Das kleine Schloss besichtigten wir nicht, sondern lediglich das Café (in dem es eine hervorragende Lemon Meringue Tarte gab) und die üppigen Gärten mit Blumen, Obst und Gemüse, von wo aus sich ein paar schöne Spazierwege begehen lassen. Beeindruckend sind auch die verschiedenen Aussichten auf die umliegenden Berge und den See, der sich an diesem Tage von seiner etwas raueren Seite zeigte und mit seiner tief dunkelblauen-grauen Farbe fast mystisch wirkte.

Glenveagh Castle

Glenveagh Castle

Von den Parkplätzen aus gibt es verschiedene Möglichkeiten, Glenveagh Castle zu erreichen. Man kann die vier Kilometer zu Fuß oder auf dem Fahrrad zurücklegen, oder man ist faul und etwas unter Zeitdruck wie wir und nutzt die regelmäßig fahrenden Shuttlebusse. Für drei Euro hin und zurück ist man in wenigen Minuten am Ziel. Wenn das Wetter stimmt und wenn man etwas mehr Zeit mitbringt, sollte man den Weg laufen, denn der ist ausgesprochen schön.

Bád Eddie Bunbeg

Bád Eddie Bunbeg

Letzter Stopp des Tages war an einer der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Donegals, deren Tage allerdings gezählt sind. In den 70er Jahren strandete ein Schiff am Magheraclogher Strand in Bunbeg. Das Wrack wurde später Bád Eddie (Eddie’s Boat) genannt, diente als Kulisse für viele Fotoshootings und spielte auch im Video von Clannad und Bono zum Song „In a Lifetime“ eine Rolle (zum Video). Seit dem Videodreh nagte der Zahn der Zeit aber gnadenlos am “Bád Eddie”, und heute sind nur noch wenige Fragmente erhalten. Man denkt nun darüber nach, das Wrack durch ein Denkmal zu ersetzen, weil es schlichtweg zu gefährlich ist, wenn Kinder oder unvernünftige Touristen darauf herumklettern. Wir waren aber froh, das Schiff noch einmal im Original zu Gesicht bekommen zu haben.

Bád Eddie Bunbeg

Bád Eddie Bunbeg

Unterkunft & Food

Haggis - Kennedy's Glenties

Haggis – Kennedy’s Glenties

Unsere Herberge lag diesmal ein wenig abseits des Wild Atlantic Ways. Im Lisdanar House in Glenties wurden wir herzlich mit Kaffee, Tee und Scones empfangen. Das Haus liegt fußläufig zum Ortskern und ist sehr geschmackvoll eingerichtet; unser großes Zweibettzimmer war ausgestattet mit Wasserkocher, Tee, Kaffee und Wasser. Auch hier war die Frühstücksauswahl umfassend, für uns gab es: Full Irish und pochierte Eier mit Bacon und einer wirklich guten Tomate.

Das Restaurant zum Abendessen hatten wir online schon im Voraus gebucht, doch auch unsere Gastgeberin legte uns das Kennedy’s ans Herz. Sie empfahl die Irischen Tapas, wovon ich mir eine Portion Haggis als Vorspeise aussuchte und mir danach einen hervorragenden, riesigen Burger gönnte. Die Bergische Maid wählte auf Empfehlung den Cajun Chicken Salad sowie ein Chicken Tikka Masala. Außerdem leckeres Franciscan Well Bier und Fußball, ein sehr schöner Abschluss eines wieder einmal tollen Tages.

Bislang veröffentlicht:

  1. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route und dem Wild Atlantic Way
  2. Belfast– Boomtown mit Licht und Schatten
  3. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 1 – Von Belfast nach Cushendall
  4. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 2 – Von Cushendall zu den Dark Hedges
  5. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 3 – Von Ballycastle  nach Portrush
  6. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 4 – Von Portrush über den Giant’s Causeway nach Derry
  7. Derry – „Walled City“ mit dunkler Geschichte
  8. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Derry nach Malin Head
  9. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Malin Head nach Rathmullan
  10. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Rathmullan nach Dunfanaghy
  11. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Dunfanaghy nach Glenties

Ein paar Bilder

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