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Events für anspruchsvolle Bierfreunde sind in Trier rar gesät, doch das Bierfestival im Blesius Garten hat sich weit über die Craftbier Szene hinaus einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Beide Tage waren mit jeweils etwa 1.000 Besuchern mehr oder weniger ausverkauft, das Thema Bier scheint also auch hier die Menschen zu interessieren. Ich war natürlich an beiden Tagen am Start, hier sind meine Eindrücke.

Egal mit wem man sprach, Besucher, Brauer oder Veranstalter, alle zeigten sich mehr als zufrieden mit dem diesjährigen Festival. Neben dem gemütlichen Ambiente ist es vor allem die durchdachte Auswahl der Brauereien, die diesmal eine gute Mischung aus alten Bekannten und Neuzugängen darstellte.

Kraft Bräu ließ es sich natürlich nicht nehmen, als Gastgeber selbst ein paar exzellente Kreationen zu präsentieren. Der Stand war auch gleich mein erstes Ziel, wusste ich doch aus der Vergangenheit, dass der Eisbock nur begrenzt verfügbar sein würde. Die aus einem IPA gewonnene Bierspezialität war auch wieder ausgezeichnet, aber auch das Böhmisch Lager und die Winter Weisse wussten zu gefallen. Trier kann wirklich froh sein, in Olewig eine so vielseitige und kreative Brauerei vorzufinden.

In der Region hat sich auch das Brauhaus Zils aus der Eifel einen hervorragenden Namen gemacht. In das Schmittsche genante Rauchbier könnte ich mich reinsetzen, es geht doch nichts über eine schöne Portion knusprigem Bacon im Glas. Gut gefallen hat mir auch das leicht säuerliche Bitter Sweet Chipmunk Old Ale, das sich angenehm komplex präsentierte und auch nach mehreren Schlucken nicht langweilig wurde.

Zu den engsten Freunden von Kraft Bräu gehört das in den letzten Monaten mit Preisen nur so überhäufte Brauhaus Riegele. Im Vergleich zu den Vorjahren änderte man das Konzept etwas und verzichtete in Trier auf die hochgelobten Brauspezialitäten. Dafür gab es einige der ebenfalls rundum gelungenen Traditionsbiere, der ein oder andere Besucher war aber schon etwas traurig, dass man diesmal auf das gestachelte Noctus verzichten musste.

SMaSH Brewing Project (4. Trierer Bierfestival)

Aus Gundelfingen fanden Matthias Gruber und Enzo Frauenschuh von Frau Gruber Brewing den Weg nach Trier, deren ausschließlich in Dosen abgefüllten Biere mich bislang allesamt voll und ganz überzeugt haben. Das neue Sunrise to Sunset macht da keine Ausnahme, für ein Session IPA ist es erstaunlich intensiv, frisch und fruchtig. Da musste ich natürlich gleich noch zum Yeast is King greifen, für mich bislang das Beste der von mir verkosteten Biere der Jungs.

Unter den Neuzugängen beim Bierfestival stach neben Frau Gruber auch das SMaSH Brewing Project heraus, wobei SMaSH für „Single Malt and Single Hop“ steht. Brauer Chris Sullivan aus Würzburg präsentierte mit seinem Herbipolis ein geradliniges Lager, sehr frisch und hopfig mit hoher Karbo. Herbipolis ist dabei der alte lateinische Name für Würzburg. Ich bin gespannt, welche Hopfen- und Malzcharakteristika er mit seinen nächsten Bieren herausarbeiten wird.

Zu den Wiederholungstätern beim Trierer Bierfestival gehört das Craftwerk aus Bitburg, wo Stefan Hanke auf dem Gelände des Biergiganten in der dortigen Versuchsbrauerei äußerst interessante Bierspezialitäten braut. Wie hoch die Akzeptanz innerhalb der Bitburger mittlerweile ist, zeigt sich schon daran, dass mit Jan Niewodniczanski der Geschäftsführer Technik und Umwelt an beiden tagen vor Ort war, das Gespräch suchte und gutgelaunt selbst am Hahn das Bier zapfte.

Jan Niewodniczanski am Stand vom Craftwerk

Preislich bewegt sich das Trierer Bierfestival absolut im Rahmen, bekommt man die meisten der vorgestellten Biere für einen Euro pro 0,1 l Probierglas. Lediglich einige ausgesuchte Spezialitäten machten eine berechtigte Ausnahme und kosteten bis zu drei Euro. Aus diesem Konzept scherte allein die Rügener Inselbrauerei aus, die für alle Biere direkt zwei Euro veranschlagten, was nicht nur mich nachhaltig irritierte. Ich bin wahrlich kein Pfennigfuchser, aber hier stimmt das Verhältnis nicht, wenn man ein paar Schritte weiter ein New England IPA von To Øl für einen Euro bekommt.

Apropos New England IPA, der Hype um diesen Stil ebbt langsam wieder ab, doch in Trier gab es einige sehr schöne Beispiele zu probieren. Neben dem genannten The Haze Grace vonTo Øl, das es am Stand des Hop Shops aus Trier gab, hatte auch Bachs Braumanufaktur ein eigenes NEIPA am Start, das mich ziemlich beeindruckte. Von den Saarländern habe ich um ehrlich zu sein hier zum ersten Mal gehört, aber die sollte man definitiv im Auge behalten. Deren Lager haben sie „Hopfen Disaster“ genannt, heraus kam aber kein überhopftes, sondern ein sehr süffiges und frisches Bier.

Das hauseigene Victori-A am Stand von Humulus & Fermentum

Sebastian von Humulus et Fermentum aus Luxemburg hatte wieder einmal eine absolut überragende Auswahl vorbereitet, darunter auch das De Molen NEIPA Frank & Vrij, das mich dann doch wieder etwas mehr beruhigte, dass die Niederländer eben nicht nur Stouts und Barley Wines können. Auch das Bad Beard Day vom Amager Bryghus geht in die New England Richtung und hat mir mit sehr viel Frische und toll eingebundenem Hopfen richtig viel Spaß gemacht.

Bei Humulus et Fermentum gab es auch die beiden für mich besten Biere des Festivals zu probieren, was ich mir auch mehrfach gönnte. Das Barrel Aged Bible Belt von Prairie und Evil Twin sah einfach schon richtig geil aus und schmeckte wunderbar, mit cremiger Textur, nussiger Schokolade und ganz viel Kaffee, die versprochene Chilli ist wenn überhaupt nur ganz leicht spürbar. Als Liebhaber belgischer Sauerbiere habe ich mit Begeisterung gesehen, dass auch die Hommage der Brouwerij 3 Fonteinen verkostet werden konnte, ein hochkomplexes Bier mit herrlichem Geschmack von Himbeere und Kirsche, dabei aber kernig sauer und extrem lecker. Ich glaube die Hälfte der Bestände haben wir alleine vernichtet.

Und damit nicht genug, auch ein eigenes Bier gab es zu probieren, nämlich das zusammen mit der Brasserie Béierhaascht gebraute Victori-A. Laut Etikett ein Barrel Aged Imperial Stout, der aber vom Charakter her eher an einen Barley Wine erinnerte, was dem Genuss aber keinen Abbruch tat.

Das Anagram Soft Serve von Omnipollo beim Hop Shop

Dass auch Trier mittlerweile seinen Craftbier Shop hat, dürften regelmäßige Leser hier bereits wissen, und auch der Hop Shop bekam auf dem Bierfestival Gelegenheit sich zu präsentieren. Robert Russell tat dies mit einigen ausgezeichneten Spitzenbieren und einer Soft Serve Maschine, die Omnipollo-Jüngern gleich einen freudigen Glanz in die Augen trieb. Ich schlug am zweiten Tag zu, als es das von mir heiß geliebte Anagram mit Eishaube gab, wobei der geniale Blaubeerkäsekuchen Geschmack dabei leicht in den Hintergrund gedrängt wurde. Mir schmeckt die Basisversion immer noch am Besten, diese würde ich auch jederzeit der Barrel Aged Variante vorziehen. Aber Omnipollo kann mich auch enttäuschen, wenn auch auf hohem Niveau. Das Leon Pale Ale traf gar nicht meinen Geschmack, aber vielleicht bin ich von den Schweden mittlerweile zu verwöhnt.

Und jetzt wo wir in Trier auch einen Shop haben, fehlt eigentlich nur noch eine echte Craftbier Kneipe. Das hat sich wohl auch der Craftprotz gedacht, der die Gelegenheit nutzte, beim Bierfestival für seinen Traum einer eigenen Kneipe zu werben, für den ihm im Prinzip nur noch die geeignete Location fehlt. Ein paar schöne Biere u.a. von Buddelship und Mashsee hatte Nikola Weiler, der Kopf hinter dem Craftprotz, natürlich auch im Gepäck, und ich drücke die Daumen, dass er ein paar gute Kontakte knüpfen konnte. Wobei eine solche Bar in Trier-Süd bestimmt meinen Ruin bedeuten würde.

Langsam scheint sich in Trier also etwas zu bewegen, aber das habe ich im letzten Jahr auch schon geschrieben. Man kann nur hoffen, dass die vielen Besucher des Bierfestivals (gerade am Freitag war es mir stellenweise schon zu voll) auch im Alltag ihr Interesse für hochwertige, handwerklich gebraute Biere weiterentwickeln und es der Gastronomie so schwer wie möglich machen, das Monopol der großen Platzhirsche aufrechtzuerhalten. Also nervt in Kneipen und Restaurants, wenn mal wieder nur überteuertes Bitburger und Karlsberg auf der Karte stehen, kauft in den Supermärkten nicht die Kiste für 5 oder 7 Euro, sondern legt euch ein paar besondere Flaschen in den Wagen, denn viele Märkte haben mittlerweile eine durchaus beachtliche Auswahl. Und wenn ihr Beratung wollt, geht zu Experten wie Robert im Hop Shop oder Sebastian im Humulus et Fermentum, und fragt denen Löcher in den Bauch. Und mich könnt ihr auch jederzeit ansprechen!

Meine Top 5:

1. Prairie Artisan Ales / Evil Twin – Barrel Aged Bible Belt (bei Humulus et Fermentum)

2. Brouwerij 3 Fonteinen – Hommage (bei Humulus et Fermentum)

3. Omnipollo / Dugges  – Anagram (soft serve version, beim Hop Shop)

4. Brauhaus Zils – Schmittsche

5. Kraft Bräu – Eisbock

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