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Nachdem unsere erste Etappe entlang des nördlichen Wild Atlantic Way vor Highlights nur so strotzte, sparte der Abschnitt von Malin Head in Richtung Rathmullan etwas an Höhepunkten. Am meisten beeindruckte uns die Passstraße am Mamore Gap, auf der wir uns unversehens in einer Schafherde wiederfanden.

Mamore Gap

Es fiel uns wirklich schwer, die wunderbare Unterkunft in der Seaview Tavern zu verlassen, der neue Tag begrüßte uns gleich wieder mit herrlichem Sonnenschein. Zeit für einen Strandbesuch. So stoppten wir nur wenige Kilometer von Ballygorman entfernt am Five Fingers Strand. Ich wiederhole mich: Auch hier handelt es sich um einen Traumstrand, weitläufig mit feinem Sand, eingebettet in Dünen und Felsen. Wir waren wie so oft fast allein, lediglich am wegen der Ebbe etwas weiter entfernten Wasser machte eine Dame Yogaübungen. Das war Idylle pur, befreiend und entspannend. Nicht ganz so gut gefallen hat uns der Pollan Strand, der zwar an einer schönen Bucht liegt, aber eher steinig und nicht ganz so einladend ist. Den Weg zur nahe gelegenen Burg haben wir ausgelassen.

Five Fingers Strand

Hinter Clonmany liegt der Glenevin Wasserfall, den man vom Parkplatz aus nach einer kurzen Wanderung entlang eines kleinen, torfigen Baches erreicht. Die Anlage ist schön hergerichtet und der Wasserfall ist durchaus schön anzusehen. Leider hatte ich schon die ganze Reise über Probleme mit meinem Objektiv, das einen Aufschlag vor einigen Jahren in Lissabon scheinbar doch nicht so gut überstanden hat und mittlerweile vor allem bei Langzeitbelichtungen ins Schleudern gerät. Daher sind die Fotos des Wasserfalls dann eher weniger gut gelungen, aber ein ordentliches Stativ hatte ich sowieso nicht dabei.

Glenevin Waterfalls

Der Weg entlang der Küste führt nun über einen steilen Pass, für uns der beeindruckendste Teil dieser Etappe. Der Aussichtspunkt am Mamore Gap bietet einen fantastischen Blick bis nach Fanad Head. Und außerdem gibt es einen süßen kleinen Kaffeewagen! Unser Weg weiter nach oben wurde jäh unterbrochen, als wir urplötzlich hinter einer Schafherde stoppen mussten, die gerade auf eine andere Weide getrieben wurden. Es war spannend zu sehen, wie die Tiere von einem extrem aufmerksamen Hütehund selbst an den steilen Felsen eingefangen und in die richtige Richtung geführt wurden, hier hätte ich noch ewig zusehen können. Und auch wenn mittlerweile einige Autos aufgehalten wurden, entstand keine Unruhe, jeder schaute sich das Geschehen an, wohl wissend, dass die Tiere hier absolute Vorfahrt hatten.

Mamore Gap

In beeindruckender Landschaft befindet sich Dunree Head, der gut gefüllte Parkplatz macht schnell deutlich, dass es sich hier um eine der wenigen größeren Touristenattraktionen der Region handelt. Durch die Umgebung führen zahlreiche Wanderwege, doch die meisten Besucher kommen wegen des Militärmuseums im Dunree Fort. Militaria gehören nun nicht zu unseren bevorzugten Interessen, daher genossen wir etwas die Aussicht, und setzten dann recht schnell die Reise in Richtung Süden fort.

Dunree Head

Hinter Buncrana führt die R238 den Lough Swilly entlang. Am frühen Nachmittag herrschte Ebbe, wodurch das Wasser auch am windigen Lisfannon Beach recht weit entfernt war, wir dafür aber ein kostenloses Sandpeeling bekamen. Wenig später stoppten wir am Fahan Kloster, um uns eines der ältesten erhaltenen Steinkreuze Irlands anzusehen. Das St Mura’s Cross stammt wohl aus dem 7. Jahrhundert und stellt eine Vorform der typischen irischen Kreuze dar. Wir machten noch einen kleinen Schwenker über Inch Island, was landschaftlich durchaus schön ist, aber ein Ziel darstellt, das man nicht unbedingt mitnehmen muss, außer man will Vögel beobachten. Wenig erfolgreich waren wir auch bei der Suche nach Burr Castle, das wir zwar aus der Ferne sahen, und dem wir uns auch annäherten, aber nicht erreichen konnten.

Fahan Monastery

Der Wild Atlantic Way führt hier wieder ganz in die Nähe von Derry und zum Grianán von Aileach, aber wir schwenkten hinter Burnfoot auf die N13 an, eine wenig einladende Schnellstraße in Richtung Westen. Hier bietet der Manorcunningham Viewpoint einen schönen Blick über den Lough Swilly, doch der Lärm von der N13 und des Generators des Kaffeebüdchens verleidete uns den Aufenthalt. Muss man nicht machen.

Manorcunningham Viewpoint

Unser letztes Tagesziel lag etwas abseits des Wild Atlantic Ways schon hinter Letterkenny. Der Weg zur Killydonnell Friary ist erstaunlich gut ausgeschildert, das alte Gemäuer mit noch heute genutztem Friedhof befindet sich in toller, erhabener Lage am Lough Swilly. Leider ist das Gelände recht ungepflegt, und so richtig wollte sich hier nicht die sonst so ergreifende Stimmung einstellen. Also machten wir uns schnell wieder auf den Weg in Richtung Unterkunft, die zwischen Ramelton und Rathmullan direkt an der R247 lag.

Unterkunft & Food

Das Derrybrien House erreicht man über eine großzügige Einfahrt, parken kann man direkt vor der Haustür. Vom Haus aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Lough Swilly, der erste Eindruck war schon einmal prima. In Empfang genommen wurden wir von Maureen, einer ungemein herzlichen und liebenswerten Gastgeberin, bei der man von Beginn an das Gefühl hatte, Teil der Familie zu sein. Zur Begrüßung gab es erst einmal Kaffee und Tee mit einem leckeren Scone und auch hier, unweit der Grenze, drehte sich das Gespräch schnell um die besondere Lage und die Angst vor dem Brexit und neuen Einschränkungen.

Wir bekamen ein schönes Dreibettzimmer und zum Frühstück gab es ein ausgezeichnetes Full Irish Breakfast sowie eine kontinentale Alternative. Maureen hatte auch gute Tipps für das Abendessen und sie nannte uns einige Optionen in Rathmullan. Wir entschieden uns für Belle’s Kitchen, einem kleinen, gemütlichen Bistro, wo wir nach kurzer Wartezeit noch einen Tisch ergattern konnten. Ich entschied mich für das Beef Stroganoff, die Bergische Maid für ein Chicken Curry, nachdem der freundliche Kellner ihr glaubhaft versicherte, dass es wirklich nicht scharf sei. Bier gab es von der örtlichen Kinnegar Brewery, die ein breites, hochwertiges Portfolio vorzuweisen hat. Mit der nötigen Bettschwere fielen wir ins Bett und freuten uns sehr auf die kommende Etappe, die uns unter anderem zum berühmten Leuchtturm am Fanad Head führen sollte.

Bislang veröffentlicht:

  1. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route und dem Wild Atlantic Way
  2. Belfast– Boomtown mit Licht und Schatten
  3. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 1 – Von Belfast nach Cushendall
  4. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 2 – Von Cushendall zu den Dark Hedges
  5. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 3 – Von Ballycastle  nach Portrush
  6. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 4 – Von Portrush über den Giant’s Causeway nach Derry
  7. Derry – „Walled City“ mit dunkler Geschichte
  8. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Derry nach Malin Head
  9. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Malin Head nach Rathmullan
  10. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Rathmullan nach Dunfanaghy
  11. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Dunfanaghy nach Glenties

Ein paar Bilder

(Galerie liegt bei Flickr, daher anderes Layout)

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