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Irland lässt mich einfach nicht los, und auch bei der Bergischen Maid brauchte ich nicht viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um für unseren diesjährigen Sommerurlaub den Norden der grünen Insel auszuwählen. Die Causeway Coastal Route entlang der nordirischen Küste gilt nicht umsonst als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt und die Tatsache, dass sich hier zahlreiche Drehorte von Game of Thrones finden lassen, sorgte für enorme Vorfreude.

Die Vorbereitung

Führte uns die Irlandreise im vergangenen Jahr von der Beara-Halbinsel im Südwesten bis zu den Klippen von Slieve League in Donegal (zum Bericht), sollte diesmal der Anschluss im Norden geschafft werden. Also befuhren wir nach der Route in Nordirland noch den nördlichen Teil des Wild Atlantic Ways, wiederum war Slieve League der Endpunkt. Wobei das nicht ganz stimmt, denn zum Abschluss gönnten wir uns noch zwei Tage am malerischen Lough Erne in Nordirland. Es wurde eine fantastische Reise, die es ohne Frage mit dem berühmten Wild Atlantic Way im Westen mit dem Ring of Kerry und den Cliffs of Moher in Sachen Schönheit der Natur und Fahrvergnügen locker aufnehmen kann.

Reiseplanung macht mir enorm viel Spaß und so ein Roadtrip ist eine ganz besondere Herausforderung. Unterkünfte wollen gesucht, gefunden und gebucht werden, wir begannen bereits im April, daher hatten wir noch eine sehr große Auswahl, obwohl wir mitten in der Ferienzeit fuhren. Es war schon spürbar mehr los als im Mai, aber der Norden Irlands ist insgesamt (noch) eine sehr ruhige Reiseregion.

Zur Ausarbeitung der Route nutzte ich für die Causeway Coastal Route vor allem Material aus dem Internet. Neben vielen Reiseblogs hat auch die nordirische Fremdenverkehrszentrale einige Informationen auf ihrer Webseite. Für den Wild Atlantic Way hatten wir ja noch die hervorragenden Karten des Wild Atlantic Way Route Atlas aus dem Xploreit Verlag. An Reiseführern hatten wir den Lonely Planet Irlandführer sowie den Reiseführer von Ralph Raymond Braun aus dem Michael Müller Verlag im Gepäck (Links führen zu Amazon).

Reiseplanungen

Langfristige Vorbereitungen

Anreise und Auto

Bei der Flugsuche und dem Preisvergleich sind wir mittlerweile Spezialisten und zum Glück gibt es in unserer Umgebung zahlreiche Optionen nach Irland zu kommen. Einen günstigen und bequemen Direktflug nach Belfast konnten wir allerdings nicht finden, daher entschieden wir uns nach Dublin zu fliegen und dort einen Wagen anzumieten. Da wir für 16 Tage durchaus einiges an Gepäck an Bord hatten, musste dies in die Preiskalkulation einbezogen werden, und so ergab es sich, dass ein Flug mit Luxair von Luxemburg preislich mit Ryanair mithalten konnte. Da der Flughafen für uns günstiger gelegen ist und einem das Rumgegurke durch den Hunsrück in Richtung Hahn erspart bleibt, entschieden wir uns also für einen Flug in einer der unangenehm lauten Bombardier-Propellermaschinen der Luxair, die uns aber sicher in etwas mehr als zwei Stunden nach Dublin brachte (Pro-Tipp: Beim Check-in die Reihen 7-9 meiden, da diese direkt neben den Propellern sind).

Den Flughafen in Dublin haben wir in keiner besonders guten Erinnerung, da wir im Vorjahr durch eine kleine Fehlplanung bei der Busfahrt zum Flughafen in arge Zeitnot geraten waren und die Wege innerhalb des Flughafens extrem lang sein können. Diesmal lief aber alles reibungslos und trotz Passkontrolle und Wartezeit auf den Koffer waren wir nach einer knappen Stunde raus. Ein Shuttlebus brachte uns zum Hertz-Schalter, wo wir nach einigen Formalitäten unseren vorgebuchten Hyundai i10 in Empfang nahmen. Wir haben uns nach den Erfahrungen im Vorjahr bewusst für einen kleinen Wagen entschieden, der die oftmals engen Straßen bei Gegenverkehr doch etwas besser bewältigen kann.

Die etwa zweistündige Fahrt nach Belfast diente der Eingewöhnung an den Linksverkehr, wobei ich mich wie im Jahr zuvor von meiner Begleiterin bequem durch die Landschaft kutschieren ließ und dafür die Navigation mit Karte und Navi übernahm. Das Teamwork funktionierte wieder perfekt und Irrfahrten blieben uns erspart, was aber ebenso an der meistens ausgezeichneten Beschilderung lag. Sehenswürdigkeiten wie Burgen oder Steinkreise sind dabei in Nordirland sogar noch einen Tick besser ausgeschildert als in der Republik, aber meistens waren wir bei unserer Suche auch dort erfolgreich.

Die Route (1808 km)

Insgesamt hatten wir vierzehneinhalb Tage für die Reise zur Verfügung, am Ende standen 1808 km zu Buche, deutlich weniger also als bei unserem Trip im Vorjahr. Doch die Entschleunigung hat sich definitiv gelohnt, da man sich für die einzelnen Dinge entlang des Weges mehr Zeit nehmen konnte. Außerdem isst man im Norden Irlands insgesamt recht früh, viele Bars und Restaurants servieren nur bis 21 Uhr Abendessen.

Die Reise selbst zeichnete ich wie im Vorjahr mit einem GPS-Tracker auf, die in den einzelnen Beiträgen eingebundenen Karten sind also „ehrlich“ und verzeichnen auch die wenigen unfreiwilligen Umwege. Zum Nachfahren eignen diese sich so nur bedingt, wobei wir keinen Kilometer der Reise missen wollen.

Unsere erste Etappe führte uns wie erwähnt nach Belfast. In der nordirischen Hauptstadt hatten wir zwei Übernachtungen eingeplant, wodurch uns ein ganzer Tag für die Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten blieb. Viel zu wenig, wie sich zeigen sollte. Doch das Wetter war uns nicht wirklich gewogen, gleich zu Beginn hatten wir einen der zum Glück nur zwei verregneten Tage. Für Irland ein überragender Schnitt, wie ich finde!

Von Belfast aus befuhren wir die Causeway Coastal Route bis Derry, eine Strecke, die so viele Highlights zu bieten hat, dass wir uns pro Tag nur recht kurze Etappen zurechtgelegt hatten, damit wir ausreichend Zeit zum Genießen hatten. Insgesamt vier Tage dauerte die Reise, die uns nachhaltig beeindruckte.

Kühe an der White Park Bay

Kühe an der White Park Bay

Mit Derry stand dann eine Stadt im Mittelpunkt, die im Zuge der Unruhen der vergangenen Jahrzehnte traurige Berühmtheit erlangte. Hier töteten am sogenannten Bloody Sunday am 30. Januar 1972 britische Fallschirmjäger 14 unschuldige Demonstranten. Im Rahmen einer Führung zeigte uns ein Einheimischer die Schauplätze, an denen noch heute riesige Wandmalereien an die blutigen Ereignisse erinnern. Doch auch neben den historischen Aspekten hat uns Derry sehr gut gefallen, mehr dazu später.

Direkt hinter Derry beginnt in Muff der Wild Atlantic Way. Wieder bewegten wir uns die Küste entlang erst einmal bis zu Malin Head, dem nördlichsten Punkt Irlands mit beeindruckenden Steilküsten. Die Landschaft ist rau und mitreißend, die Menschen herzlich und hilfsbereit. Überhaupt ist die Freundlichkeit der Menschen hier geradezu bestürzend, vor allem wenn man aus Trierer Verhältnissen kommt. Ziel war wie schon im Vorjahr die gigantische Küste am Slieve League, hoffentlich schaffe ich es diesmal, den Bericht dazu wirklich fertigzustellen …

Nach zwei Tagen am Lough Erne in Nordirland verbrachten wir noch eine Nacht in der Nähe von Dublin, wo wir noch einen sehr schönen Abend im malerischen Fischerort Howth verbrachten. Am Flughafen brachten wir erst einmal unser Auto zurück und hatten zum Glück ausreichend Zeit für den Sicherheitscheck, der im Falle der Bergischen Maid diesmal besonders gründlich ausfiel. Den Dubliner Flughafen behalten wir somit diesmal in besserer Erinnerung, letztendlich war alles sehr entspannt. Zumindest bis wir in Luxemburg ankamen, als unser Auto erst einmal streikte, und wir den ADAC rufen mussten. Doch der kam recht schnell und nach zwei beherzten Hammerschlägen zum Lösen der blockierten Bremse konnten wir die letzten Kilometer unserer Heimreise antreten.

Dunluce Castle

Dunluce Castle

Die Unterkünfte

Typisch für einen Roadtrip dieser Art sind die nahezu täglich wechselnden Unterkünfte. Irland und Nordirland verfügen über ein dichtes Netz an Bed & Breakfasts, die aber in ihrer Art sehr unterschiedlich sind. Manche sind professionell geführt wie ein Hotel, bei manchen hat man das Gefühl, mitten in einer Familie zu leben. Allen gemein war aber die Herzlichkeit der Betreiber und die Üppigkeit des Full Irish Breakfast, das ich mir zum Start in einen anstrengenden Besichtigungstag täglich einverleibte. Hier wird mir die Umstellung sicher schwerfallen, meinen Hausarzt dürfte es dagegen freuen … Insgesamt wohnten wir in zwölf unterschiedlichen Unterkünften, wobei wir in Belfast, Derry und Enniskillen am Lough Erne jeweils zwei Nächte blieben. Dankbar sind wir für die vielen guten Tipps, die wir von unseren Gastgebern bekamen, denn selbst bei bester Vorbereitung geht nichts über das Insiderwissen der Einheimischen!

More to come!

Nachdem meine Berichte über die Reise im vergangenen Jahr leider auf den Aran Islands ins Stocken gekommen sind, hoffe ich sehr, dass ich es diesmal wirklich bis zum Ende durchhalte. Zumindest habe ich diesmal wesentlich ausführlichere Aufzeichnungen auf dem Weg angefertigt, die Chancen stehen also durchaus gut. Der Bericht zu Belfast ist tatsächlich bereits fertig, von daher drückt mir und meinem Durchhaltevermögen die Daumen.

Bislang veröffentlicht:

  1. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route und dem Wild Atlantic Way
  2. Belfast– Boomtown mit Licht und Schatten
  3. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 1 – Von Belfast nach Cushendall
  4. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 2 – Von Cushendall zu den Dark Hedges
  5. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 3 – Von Ballycastle  nach Portrush
  6. Unterwegs auf der Causeway Coastal Route Tag 4 – Von Portrush über den Giant’s Causeway nach Derry
  7. Derry – „Walled City“ mit dunkler Geschichte
  8. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Derry nach Malin Head
  9. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Malin Head nach Rathmullan
  10. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Rathmullan nach Dunfanaghy
  11. Unterwegs auf dem nördlichen Wild Atlantic Way – Von Dunfanaghy nach Glenties
Glenveigh National Park

Glenveigh National Park

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